Überquer die Brücke wenn du davor stehst
Was ist passiert?
Ich habe früh in meiner Gründung beobachtet, wie viel Energie andere Gründer und Mitarbeiter in Probleme stecken, die noch gar nicht existieren. Du sitzt abends da und grübelst über Skalierungsprobleme nach, obwohl du noch keinen einzigen Kunden hast. Du baust Prozesse für ein Team, das es noch nicht gibt. Du sorgst dich um steuerliche Konstrukte für Gewinne, die noch nicht gemacht sind. Das sind keine echten Probleme – das sind Phantomprobleme. Sie existieren logisch, aber nicht praktisch. Und trotzdem fressen sie Zeit, Energie und Schlaf, als wären sie real. Ich selbst bin an diesem Fehler vorbeigekommen, weil ich an der Offizierschule der Bundeswehr einen Grundsatz gelernt habe, der sich eins zu eins aufs Unternehmertum übertragen lässt: Du triffst eine Entscheidung dann, wenn du sie treffen musst – und nicht vorher.
Was habe ich gelernt?
Du brauchst keinen Plan, der von A bis Z stimmig durchdacht ist. Du brauchst einen nächsten Schritt. Dann den danach. Dann den danach. Du kannst dich von Iteration zu Iteration durchhangeln – und genau das ist oft die einzig funktionierende Strategie. Die meisten Probleme, über die du heute nachdenkst, werden in der Form nie eintreten. Entweder lösen sie sich von selbst, oder sie sehen ganz anders aus, wenn du tatsächlich davor stehst. Die Energie, die du in Phantomprobleme steckst, fehlt dir bei den Problemen, die jetzt wirklich vor dir liegen. Und gerade in der ersten heißen Phase als Gründer ist Energie deine knappste Ressource.
Rat an andere Gründer
Überquer die Brücke wenn du davor stehst – nicht drei Kilometer vorher auf Google Maps. Wenn ein Problem heute nicht real ist, existiert es nicht. Kümmere dich um das, was jetzt wirklich ansteht, und lass alles andere los. Das fühlt sich am Anfang fahrlässig an, besonders mit deutscher Gründlichkeit im Blut. Aber die Wahrheit ist: Kein Businessplan überlebt den Kontakt mit der Realität. Dein einziger Job ist, den nächsten Schritt gut zu machen. Der Rest klärt sich – oder wird irrelevant.